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Öffentlicher Brief zu Ihrer Pressemeldung vom 09.04.2012

Sehr geehrter Herr Dr. von Dellingshausen, sehr geehrter Herr Dr. Peterseim,

liest man derzeit die Fach- und Boulevard – Presse, so wird die ambulante onkologische Versorgung mit Zytostatika durch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen überschattet. Auch wir distanzieren uns von vermeintlich vorhandenen, rechtswidrigen Praktiken und erachten einen zeitnahen Abschluss der anhängigen Verfahren bzw. der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen als begrüßenswert.  
Bisher haben wir uns als Verband zu diesem Thema bewusst nicht in die Öffentlichkeit gedrängt, denn wir sind der Überzeugung, dass in unserem deutschen Rechtsstaat mögliche  kriminelle Machenschaften Einzelner auch ohne unser öffentliches Zutun einer Aufklärung und angemessenen Strafe zugeführt werden. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, wie ein Verband, der den Anspruch erhebt, als seriös und glaubhaft wahrgenommen zu werden, sich im Rahmen seiner Pressemeldung vom 09.04.2012 in derart populistischer und unseriöser Art öffentlich äußert. Eine solche „Qualität in der Öffentlichkeitsarbeit“ bedarf folgender Klarstellung:  
 
·         Rezeptur Herstellbetriebe haben sich der qualitativ hochwertigen Versorgung von u.a. onkologischen Patienten verschrieben. Sie stellen parenterale Infusionen schon immer gemäß der höchsten europäischen Anforderungen (Good Manufacturing Practice - GMP) her und belegen die sterile Produktqualität. Heutzutage entscheiden sich Apotheker zunehmend für die qualitätsgesicherte Herstellung gemäß der höchsten EU – Anforderungen und gründen selbst Rezepturherstellbetriebe bzw. übertragen die Herstellung externen Lohnherstellern. Ihre „Theorie“, Rezeptur Herstellbetriebe seien fragwürdige Konstruktionen zur Umgehung ehemals existierender Rabattverbote, berücksichtigt leider nicht, dass es damals wie heute Apotheker gibt, deren ethischer Anspruch und Beweggrund die qualitätsgesicherte, GMP – konforme Herstellung ist. Deshalb entscheiden sich heute zunehmend Apotheker auch selbst gemäß GMP herzustellen bzw. die Herstellung Lohnherstellern zu übertragen und das, obwohl es entsprechende Rabattmöglichkeiten für Apotheken gibt.
 
·         Der VZA betont, dass Rezeptur Herstellbetriebe besonders anfällig für juristisch fragwürdige Geschäftsmodelle seien. Allein diese Darstellung ist völlig unbegründet. Jedenfalls verschweigen Sie die Fakten, die sich sowohl aus der Vergangenheit als auch aus den aktuellen Ermittlungen ergeben:
 
1.   Im Rahmen der sogenannten Holmsland–Affäre wurde gemäß Pressemeldung der Staatsanwaltschaft Mannheim vom 13.09.2007 gegen 2 Pharmahändler und rund 100 Apotheker aus dem gesamten Bundesgebiet wegen des Verdachts des Betruges, der Beihilfe zum Betrug und des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt. Im Rahmen dieser Ermittlungen kam es zwischenzeitlich auch schon zur rechtskräftigen Verurteilung eines Apothekers. Der Gesetzgeber hat reagiert und seine Gesetzgebung dahingehend präzisiert, dass ausschließlich in Deutschland zugelassene Arzneimittel bei der Rezepturherstellung verwendet werden dürfen.
 
2.   Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Sachsen werden die Ermittlungen nicht gegen den Rezeptur Herstellbetrieb als solchen geführt, sondern im Wesentlichen gegen Einzelpersonen, insbesondere die Kooperations-Apotheker.
 
3.   Die kürzlich öffentlich bekannt gewordenen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen der Niedersächsischen Staatsanwaltschaft richten sich gemäß deren Pressemeldung vom 18.04.2012 gegen Verantwortliche eines Pharmaunternehmens und eines Beratungsunternehmens aus dem Landkreis Hildesheim sowie 49 Onkologen und 18 Apotheker. Den Apothekern wird vorgeworfen, Manipulationen durch die Weitergabe von Umsatzlisten an die Beratungsfirma gefördert zu haben. Auch aus diesen Ermittlungen lässt sich keine Anfälligkeit der Rezeptur Herstellbetriebe für juristisch bedenkliche Vorgehensweisen herleiten.
 
Anhand der öffentlich zugänglichen Fakten ist ihre Behauptung, „Rezeptur Herstellbetriebe seien besonders anfällig für juristisch fragwürdige Geschäftsmodelle“, nicht haltbar. Behauptungen dieser Art sind nicht seriös. Es hat eher den Anschein, als wollten Sie die Apothekerschaft aus dem Kreuzfeuer der Kritik nehmen. Lassen wir doch die Staatsanwaltschaften aufklären, ob und wo es „schwarze Schafe“ gibt. Anstelle von gegenseitigen Schuldzuweisungen wäre es sachdienlich und zielführend, wenn der VZA und der BRH sich gemeinsam gegen fragwürdige Machenschaften aussprechen und das Thema Health Care Compliance vorantreiben würden.
 
Was unsere Branche jetzt braucht, ist ein Schulterschluss gegen illegale Praktiken. Es geht hier um die Therapie schwerstkranker Menschen. Wir sollten diese Menschen nicht weiter verunsichern, sondern deren Versorgung mit Produkten höchster Qualität optimieren. Vielleicht ist es Ihnen einmal möglich, auf Basis der Fakten Ihr Verhalten zu überdenken und sich gemeinsam mit uns gegen die illegalen Praktiken Einzelner und gegen Ausschreibungen im Bereich der Zytostatika – Versorgung zu engagieren. Wir sind zu einem solchen sachdienlichen Neustart trotz Ihrer haltlosen Vorwürfe bereit.