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Hamburg, 28.09.2016

Bundesverband der Rezeptur Herstellbetriebe e.V. zum Thema Rabattverträge im Bereich der Zytostatika

Es gibt seitens der Politik die Überlegung, Rabattverträge auf der Herstellerebene (Pharmaindustrie) pro Wirkstoffe einzuführen. Dieses bedeutet, dass die Wirkstoffe – wie insbesondere bereits im sonstigen Generika – Bereich durchgeführt – auf Ebene der Hersteller ausgeschrieben werden und dann je nach Ausschreibung ein Hersteller (klassische Ausschreibung) bzw. mehrere Hersteller (Mehrpartnermodell) alleinig berechtigt wären, diese Wirkstoffe an die Rezepturherstellbetriebe bzw. die Apotheken für die jeweilige Krankenkasse zu liefern. Die Apotheken / Rezepturherstellbetriebe würden für die Herstellung allein die Herstellpauschale erhalten. Die Ausschreibungen würden somit von der Ebene der Apotheke auf die Ebene der Pharmaindustrie gehoben werden.


Position des BRHs e.V.:
Der BRH e.V. ist der Überzeugung, dass dieser Lösungsansatz nicht geeignet ist, die ambulante onkologische Versorgung zu sichern. Zwar könnte der Patienten / der Arzt die Apo-theke frei wählen, die dann auch generell lieferberechtigt wäre, jedoch würden bei einer solchen Lösung schwerwiegende andere Probleme entstehen:


•    Für die Herstellung von Zytostatika wären nur noch die Wirkstoffe von dem Pharmaunternehmen verfügbar, die bei der jeweiligen Krankenkasse Rabattpartner wären. Bei einem solchen Modell ist es sehr wahrscheinlich, dass Lieferengpässe für einzelne Wirkstoffe auftreten und so die patientenindi-viduelle Rezeptur nicht zum notwendigen Termin hergestellt werden kann. Die Folgen für die Patien-ten wären, dass medizinisch dringend notwendiger Infusionen nicht oder erst mit tage- oder wochen-langer Verspätung dem Patienten zur Verfügung gestellt werden können. Diese Option gefährdet die Therapie des Patienten in einer unzumutbaren Weise.

•    Im Bereich der Onkologie gibt es einen erheblichen Anteil an Patent geschützen Wirkstoffen. Hier besteht nach der Nutzenbewertung eine Verhandlungsoption der Krankenkassen über die Erstat-tungspreise, so dass in diesen Bereichen Rabattverträge regelmäßig keine Wirkung zeigen. Zusätzli-che Rabattforderungen können dazu führen, dass diese Wirkstoffinnovationen ggf. in Deutschland nicht, nur verspätet oder mit erheblichen Lieferengpässen behaftet den Patienten zur Verfügung ste-hen. Sie entkoppeln die Patienten in der Krebstherapie vom medizinischen Fortschritt.

•    Rabattverträge auf Ebene des pharmazeutischen Unternehmens führen voraussichtlich nicht zu wirt-schaftlichen Einsparungen. Denn unterschiedliche Rabattpartner pro Wirkstoff und Krankenkasse führen zu einer deutlichen Erhöhung der Anbrüche, die nicht weiter verwendet werden können und dürfen. Somit würden erheblich mehr Anbrüche durch die Apotheken den Krankenkassen in Rech-nung gestellt werden müssen.  Zusätzlich erhöhen Rabattverträge für Wirkstoffe der patientenindivi-duellen Zytostatika Herstellung sowohl bei den Krankenkassen als auch bei der Herstellung den ad-ministrativen Aufwand, zumal in der Herstellung die jeweiligen Rabattpartner von den einzelnen Wirk-stoffen beschafft werden und vor jeder Herstellung kurzfristig zur Verfügung stehen müssen.


Der BRH e.V. spricht sich entschieden gegen die Überlegung von Rabattverträgen im Bereich der Wirk-stoffe für patientenindividuelle Zytostatika aus und kann in diesem Vorschlag keinen qualitätsgesicher-ten und wirtschaftlichen Lösungsansatz  für die ambulante onkologische Versorgung mit patientenindi-viduellen Zytostatika sehen.